Bericht von Jeannette König, Bilder von Ursula Hürzeler
Draussen Regenschnee. Innen warme Caféhaus Atmosphäre. Vierzig Besucherinnen und Besucher sitzen an Tischen und unterhalten sich rege miteinander. Um 15:00 Uhr beginnt Krystyna Akrman ihre persönliche Geschichte vom Aufwachsen im Kommunismus in der damaligen tschechoslowakischen sozialistischen Republik zu erzählen. Genau genommen beginnt ihre Geschichte in Polen, in Lodz, wo sie geboren wurde. Ihr Vater war ein Tscheche, ihre Mutter eine Deutsche. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges forderte die damalige Tschechoslowakische Republik im Ausland lebende tschechisch stämmige Personen auf, in ihr Heimatland zurückzukehren. Krystynas Eltern sind diesem Aufruf gefolgt. Mit zwei Koffern, das Baby in den Armen, kamen sie in einem für sie fremdem Land an und mussten sich eine neue Existenz aufbauen.
Bereits 1948 begann der Kommunismus in der Tschechoslowakischen Republik. 1960 ist der Name Tschechoslowakische sozialistische Republik (CSSR) in der Verfassung festgeschrieben worden. Krystyna erzählte nach dem Aufzeigen der vielschichtigen, gelinde gesagt für Schweizerinnen und Schweizer verworrenen Zeitgeschichte, mit persönlichen Erinnerungen und Erlebnissen auf, was es für sie und ihre Familie bedeutete, in einem kommunistisch organsierten Staat zu leben. Krystyna erzählte von den Pionierlagern (vergleichbar mit der Pfadi), von Tanzveranstaltungen bis zur Rationierung und dem Anstehen in Schlangen für den Einkauf des täglichen Gebrauchs. Ebenso von der Bespitzelung, die auch sie einschneidend zu spüren bekommen hatte. Sie wurde nicht ins Gymnasium aufgenommen, weil die Familie in die Kirche ging (gesetzlich war zwar die Religionsfreiheit festgehalten). Ein Raunen ging durch das Publikum und zeigte die Betroffenheit. Die Aufnahme Krystynas in das Gymnasium erfolgte später, als die Familie aus der Kirche ausgetreten war. So konnte Krystyna doch noch ihren Berufswunsch verwirklichen und wurde Ärztin.
Als wären wir Zuhörende selbst dabei gewesen, schilderte Krystyna, wie sie und ihre Umgebung den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes und die Zerschlagung des Prager Frühlings im August 1968 erlebt hatten. Danach haben sich Krystyna und ihr damaliger Mann entschieden, auszureisen und nicht wieder zurückzukehren. Das junge Paar kam 1969 in der Schweiz an – mit zwei Koffern – genauso wie damals ihre Eltern in der Tschechoslowakischen Republik.