Bericht : Trudy Kummer
Bilder : Ursula Hürzeler
Ruedi Hösli war sechs Jahre lang Präsident der Panther, jetzt kennen ihn viele als Wanderleiter. Was kann er uns da schon noch Neues erzählen… Aber falsch gedacht. So kamen denn die über 40 erwartungsvollen Mitglieder im Domizil voll auf ihre Kosten.
„Die einzige Konstante ist die Veränderung.“ (Heraklit von Ephesos) wählte Ruedi zu seinem Leitspruch – und nach dieser Vorwarnung führte er zügig durch die wichtigsten Stationen in seinem Leben. Nicht ganz alle seien nachstehend auf einer Liste aufgeführt, aber die wichtigsten. Alles unter dem Stichwort Aufbruch und Neubeginn.
Also:
– Die ungeliebte Schule
– Die geliebte Pfadi
– Verkehrsschule St. Gallen
– 2 Jahre Lehre zum Stationsbeamten
– Praktikum in einem Jugendzentrum
– mit Jugendlichen (international) Terrassieren eines Lawinenhangs im Graubünden
– 1968 Ausbildung in Gwatt, Schule für Sozialarbeit, auch Interesse an Drittweltfragen
– Assistent des Heimstättenleiters Gwatt
– Heirat mit Margrit, Geburt des Söhnchens Markus
– Nachdiplomstudium in Holland, gegen Vereinsamung Leben in WG mit anderer Familie
– Nach Hollandzeit: Dozent Höhere Fachschule für Sozialarbeit Bern
– Wohnen zurück in der Schweiz WG im Dörfli Reutigen: 7 Erwachsene, 6 Kinder
– Vaterzeit allein mit Markus (9) und Doris (7)
– Ruedi war in Krisensituation geraten, so kündigte er den Dozenten-Job
– nach schwieriger Zeit Arbeit als selbständiger Projektberater und Erwachsenenbildner
– nach 5 Jahren wirkt er mit bei der SFA im Projekt RADIX (Gesundheitsförderung)
– Mitbegründer der Arbeitsgruppe „Mann und Gesundheit“
– Letzte Berufsjahre: Krebsliga Bern, Schweiz
Treppen mit Auf- und Abstiegen? Tunnel? Haarnadelkurven? Berg und Tal? Direttissima? Jeder dieser Aufbrüche und Anfänge war wohl anders, einige schmerzhaft, belastend, andere überreif. Vom Stationsbeamten Ruedi wissen wir, dass er am letzten Arbeitsabend seine Bähnlermütze verbrannt hat. Und zum Krebsliga-Job sagt Ruedi Hösli wörtlich: “Das Beste an dieser Arbeit war, dass ich Sylvia kennen gelernt habe und wir gemeinsam die Krisensituation am Arbeitsplatz durchgestanden haben.“
Und hier im Erzählcafé greift nun Sylvia zu der dicken Kordel namens Dülfer auf dem Tisch und reicht sie Ruedi. Der schlingt sie in rasanten Schwüngen um seinen Körper, auch zwischen die Beine, während Sylvia ruhig das andere Ende hält um ihren Ehemann beim Abseilen zu sichern.
Das gefährliche Sprung-Bildchen mit dem Kletterer Ruedi am Seil in der senkrechten Felswand stammt von einer Tour mit seiner Schwägerin.
Erste Bergsteiger-Erfahrungen und Skitouren hat er als Bub mit seinem Vater erlebt und ist mit Leidenschaft in die Alpinistenkarriere eingestiegen. Ihm waren viele Gipfelbesteigungen möglich. So war es entsprechend hart für Ruedi (45), als Arthrose in den Knien ihm diese Freude raubte.
Erst 3 Jahre später fing er mit Wandern an und heute ist er ein umsichtiger Panther-Wanderleiter mit Antenne und Sensoren, der uns auch zu Programmen wie Boule, CinéSoir, GA-Club angekickt hat. Da Sylvia das Domicil Mon Bijou leitete, amtete der Pensionierte zu Hause voll als Hausmann. Einzig Wäsche einfüllen durfte er nicht: Gekochte Wollsocken? Gefärbte Hemden? Mit einem Segelböötli auf dem Thunersee hat sich eine neue Leidenschaft entwickelt, es musste Hochseesegeln werden! Und dann haben die beiden Kapitäne Sylvia und Ruedi schöne Zeiten auf den Juraseen erlebt mit ihrem Wohnboot „Patoudi“.
Zum Schluss gibt uns der Erzähler mit: Sein Roter Faden im Leben mit Aufbruch und Neubeginn sei mutig NEIN sagen und Neues wagen. Und: Die Konsequenzen tragen.
Danke, Danke, Ruedi, für diese facettenreiche Erzählung! Und ein Merci auch an Ursula Hürzeler für die Organisation.