Bericht von Trudi Kummer, Bilder von Ursula Hürzeler und Christiane Bracher
Ursula Hürzeler stellt uns die heutige Vorleserin vor: die Autorin Christine Olmos. Die beiden haben sich im Collegium60+ kennengelernt, wo Christine schon Kreatives Schreiben unterrichtet hat. 2024 erhielt die ehemalige Lehrerin den Berner Buchpreis für ihr «Logbuch» – das Buch, das auch im Zentrum ihrer Lesung bei den Grauen Panthern stand.
Erst zwei Jahre nach ihrer Krebskrankheit fühlt sich Christine fähig, über all das schwere Erlebte zu schreiben, und erst als eine Freundin findet, das müsse ein Buch werden, arbeitet Christine Olmos am Logbuch. Das Wort Dichterin kommt mir in den Sinn; denn Christine Olmos versteht es, ihre schwere Krebsgeschichte und die langwierigen Behandlungen zu verdichten; alles wird für uns erlebbar, oft in lyrischer Form, ohne dass alles gesagt werden muss.
Sie führt uns mit ihrem Vorlesen aus dem Logbuch im Spitalgebäude durch die verwinkelten Gänge zu Untersuchungen, zur Operation, zur Chemotherapie, zur Radioonkologie. Sie legt sich flach auf den Schragen, wird operiert oder nachbehandelt. Sie liest uns vor:
«Dass der Tod vorbeikommt
Im August
Habe ich mir niemals vorgestellt
Er muss doch weiterziehen
Denke ich
Sommer ist Reisezeit»
Wir erahnen und spüren das Bange, Ungewisse, die Ängste – und neben dem Belastenden zeigt sich oft noch ein feiner Humor. Mit grosser Übelkeit in der Chemobehandlung liegend findet sie in sich das Wort «Sarglage», und später, als sie ihre kahle Kopfhaut berührt, spürt sie ganz fein: «Es spriesst. Frühling im Februar auf meinem Kopf». Christine Olmos liest uns auch von einer kleinen Rebellin in ihr:
«Weitergehen, sagt sie, wie auch immer.
Deinen Weg, sagt sie.
Gehen, sagt sie, wie auch immer.»
Und sie schreibt Listen:
«von Erschöpfung bis Kraft
von krank bis gesund
von du kannst mich bis erst recht
von ja bis ja»
Nach der letzten Bestrahlung führt uns Christine durch das Labyrinth im Spital zurück zum Ausgang und sagt: «Es ist vorbei». Neben dem Einfühlen in all die schmerzhaften Prozesse können wir uns auch Ermutigung pflücken aus dem Logbuch und Anregungen, wie wir selber Probleme bewältigen und daran wachsen können. Was mich noch besonders lockt, ist der Tipp (nach Rezept von Picasso): Mit geschlossenen Augen mein Selbstbildnis zeichnen, ohne den Stift anzuheben. Solche Bilder begleiten die Texte im Logbuch.
Vielen Dank, Christine, für dein angenehmes, ruhiges Vorlesen, und wir danken euch beiden Frauen für diese besinnliche Zeit und für die Leichtigkeit im Ganzen.