Kunstwanderung im Säuliamt

Bericht und Fotos von Margrit Berger

Anstelle der 2-tägigen Genusswanderung rings um St. Gallen haben Sylvia Den und Ruedi Hösli kurzfristig eine Ersatzwanderung gezaubert – eine Wanderung,  ja eher eine Reise durch die Geschichte, fein garniert mit Kunst.

Zehn Pantherinnen und ein Panther starten erwartungsvoll in Hausen mit Ziel Kappel, im Knonaueramt, im Volksmund liebevoll Säuliamt genannt. Die Legende erzählt von einem Bauern, der sein Kalb und sein Schwein auf die Alp treiben wollte und dabei von einem heftigen Unwetter überrascht wurde. In Panik geraten, floh das Kalb Richtung Horgen (der Bezirk heisst heute Kälberamt), und das Schwein Richtung Türlersee. So kam das Knonaueramt eben zu seinem Säuli.

Die sanfte Wanderung führte uns durch lichtes Unterholz, über blumenreiche Wiesen und vorbei an wogenden Getreidefeldern zum ersten Halt: das Zwingli-Denkmal. Unter einer herrlich duftenden, riesigen Linde gab uns Sylvia einen kurzen Abriss über das Leben und Wirken des Reformators.

Den Picknickhalt verschoben wir kurzerhand nach Kappel – angesichts des kühlen Wetters, und ausserdem waren wir alle soooo zügig unterwegs.

Kappel verdankt seinen Ruhm seiner 800 Jahre alten Klostergeschichte: von den Zisterziensern bis zur Reformation, von der Kappelermilchsuppe bis zum heutigen Bildungshaus.

Für den freien Besichtigungsrundgang hatten alle reichlich Zeit. In der frühgotischen Kirche lohnte sich ein Blick auf das alte Chorgestühl; berühmt sind vor allem die Glasfenster, die zu den wertvollsten Zeugnissen gotischer Glasmalerei der Schweiz zählen. Und noch ein lustiges Detail: an einem Pfeiler in der Stephanskapelle prangt das Wappen mit Adlerkopf der Familie Gessler von Brunegg (s. Foto). Angeblich diente es einem Anwohner als Anregung für den Globi …

Einladend ist der nach historischem Vorbild gestaltete Klostergarten mit seinen Heilpflanzenund Gemüsesorten. Sogar bei Regen lockt die Vielfalt zum Bestaunen.

Das Tüpfchen auf dem i bildete der Rundgang durch den Klosterhof: eine lebendige Kunstinstallation mit ausdrucksstarken Holzfiguren des Künstlers Peter Leisinger erzählt von den reformatorischen Umbrüchen in Kappel vor 500 Jahren. Der erst 19-jährige Heinrich Bullinger, als Lehrer im Kloster Kappel tätig, verbreitete den humanistischen Geist unter den Mönchen wie auch in der Region, und verhalf damit der Reformation im Kloster zum Durchbruch. Im Jahr 1527 übergaben die Mönche das Kloster der Stadt Zürich.

Genug gestaunt, bewundert, gelesen…, ab zur Einkehr ins Klosterrestaurant.

Auf der Rückreise gab die bewegende Ausstellung genügend Gesprächsstoff.

Ein grosses Dankeschön, liebe Sylvia und lieber Ruedi, für den reichen Wander- und Kunsttag! Ein wahrer Genuss!

P.S. für alle, die diese Kunstinstallation noch besuchen möchten: Dauer bis Juli 2026.