Bericht von Marie-Louise Opl Steffen, Fotos von Ursula Hürzeler
Barbara Könnig ist nicht allein gekommen. Sie hat eine ihrer Geigen mitgebracht und erfreut uns zur Einführung mit einer Improvisation, in welcher sie unsere freudige Stimmung aufgreift. Ein toller Einstieg ins Thema.
Barbara erzählt uns von ihrer Kindheit und Jugendzeit in Uettligen, wo sie oft von schönen Musikklängen in den Schlaf begleitet wurde. Im Nebenzimmer spielte Ihre Mutter Geige und der Vater Klavier. So kam Barbara beim Einschlafen in entspannten Musikgenuss.
Im musikalischen Elternhaus wurde bei Barbara schon früh das Interesse und die Freude an Musik geweckt. Schon als kleines Mädchen meldetet sich bei ihr der Wunsch, «ich will das Geigenspiel erlernen». Dieser Wunsch wurde immer drängender und dann als 7-Jährige manifestiert: Barbara besuchte das Konservatorium in Bern. Der Weg nach Bern wurde wöchentlich zusammen mit der Schwester und dem Vater unter die Räder genommen. Barbaras Vater arbeitete im Tierspital Bern, damals in der Länggasse. Selbständig haben sich die Mädchen von der Länggasse auf den Weg ins Konservatorium in der Altstadt gemacht und sich in der «Grossstadt» zurechtgefunden.
Lebhaft und anschaulich schildert uns Barbara ihre Kindheit im ländlichen Uettligen, wo sie mit einer älteren und jüngeren Schwester aufwuchs. Von ihrer Liebe zum Instrument, auch von ihrem zeitweiligen Unwillen, regelmässig zu Üben. Wenn die Mutter in dieser Situationdie Geige in den Schrank schloss, bekam Barbara Mitleid mit dem einsamen Instrument im Schrank und war wieder vermehrt motiviert, das lästige aber nötige Üben aufzunehmen.
Barbara besuchte das Lehrerinnenseminar im Marzili. Nach erfolgter Ausbildung zur Lehrerin wurde ihr Wunsch, Musik/Geige zu studieren dringend. Sie hat die Aufnahme ins Konservatorium Bern bestanden und das Musikstudium absolviert. Nun war sie am Ziel, sie war Musikerin/Geigerin.
Nach dem Konservatorium schaltete Barbara ein Auslandjahr in Italien ein. In einem Hotel übte sie die verschiedensten Tätigkeiten aus. Auch das Geigenspiel kam in diesem Jahr in verschiedenen Formationen nicht zu kurz.
Im Berner Symphonieorchester erhielt sie die Stelle als Bratschistin. Der Wunsch, Geige zu unterrichten, Kinder an das Instrument heranzuführen war aber grösser. 1988 trat sie in die neu gegründete Musikschule Region Gürbental in Belp ein, wo sie bis zu ihrer Pensionierung blieb. Sie hat vielen Kindern im Gürbental Geigenunterricht erteilt und ihnen die Freude und das Können an diesem Instrument vermittelt.
Die Musik wird erneut zum Lebenselixier und bringt die Lebensfreude zurück
Als 2001 Barbaras Vater starb verlor sie ihre Lebensfreude und auch die Freude an der Musik und an ihrem Instrument. Von Freundinnen wurde sie nach einigen Monaten überredet, an einer Reise nach Kreta teilzunehmen. Die Wanderungen auf der Insel und dann in einer Taverne die Geige von der Wand zu nehmen und zu spielen, brachten ihr Energie, die Freude am Musizieren und ihre positive Lebensfreude wieder zurück.
Nach einer Zvieripause hat uns Barbara noch Fragen beantwortet, und uns nochmals mit Musik erfreut. Die Stimmung war gelöst, freudig. Herzlichen Dank an Barbara für ihre lebendige Erzählung und ihre musikalischen Darbietungen. Sie hat einen Nachmittag gestaltet, wo wir an ihrer Erzählung und ihrer Musik Positives auftanken und mitnehmen konnten.
Ein herzliches Dankeschön geht auch an die Initiantinnen des Formats «Erzählcafé» anUrsula Hürzeler und Jeannette König. Eine tolle Idee!