Bericht:
Ruth Aegler

Fotos:
Yolande Burnod

Strohmuseum im Park, Wohlen AG

«Stroh macht froh» oder «aus Stroh wird Gold» sagte in alten Zeiten der Volksmund! So ist die Panthergruppe gespannt auf das, was sie in der Villa im Park, ehemaliger Privatbesitz eines der letzten «Strohfabrikanten», erwartet. Im Speisezimmer des Hauses wird uns ein kleiner Film zur Entstehung der Stroh-Flechtproduktion gezeigt. Wir werden etwa 200 Jahre zurück in die Geschichte der Landschaft und seiner Bewohner versetzt. Bauern und Taglöhner, die sich mühselig auf dem kargen Boden ihr kleines Leben erarbeiteten und mit dessen Ertrag nur mit Not über die Runden kommen.
Wann sich dann der Funke zur Strohverarbeitung entzündete ist nicht nachweisbar. Vielleicht Reisläufer, die aus fremdem Söldnerdienst der Mutter, dem Schatz ein Geschenkli aus Stroh heimbrachten?
Jedenfalls irgendwann einmal konzentrierte man sich auf den Anbau von Korn und seine Verarbeitung, was dann im Laufe der Zeit zu einem blühenden Wirtschaftszweig führte. Europaweit wurde die Gegend für ihre Hutgeflechte und Strohgestecke berühmt.
Wir steigen ins obere Stockwerk, der Schatzkammer des Museums. Unsere Führerin erklärt uns die vielfältigen, einfachen Gerätschaften, die es zur Bearbeitung des Strohs braucht und das Wichtigste: die Beschaffenheit des Korns. Das Getreide muss vor der Reife der Ähren mit Körnern geschnitten werden, wenn die Halme noch biegsam sind und voller Saft. Bei der späteren Verarbeitung muss darauf geachtet werden, das Halmmaterial immer feucht zu halten. Aus einem Halm kann man lediglich zwei Halmstücke von ca. 50 cm zur weiteren Verarbeitung gewinnen. Der Rest geht als Spreu aufs Feld oder in den Stall.
Unsere Führerin öffnet uns die Tresore des Museums: Neben Strohhüten sind es Schubladen mit Gestecken, Bordüren, Dekorationen in allen Variationen, kleine Kunstwerke, die uns verzaubern. Da bleibt nur noch das Einstein-Zitat: Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt! All das hergestellt in Heimarbeit, jede Minute nutzend, ob kalte Wintertage oder Dunkelheit, bei Kerzen- oder Öllampenlicht, mit Händen, die an härteste Arbeit gewöhnt waren. Sie kreierten einen Formenreichtum von unglaublicher Feinheit.
Wir dürfen der handwerklichen Herstellung eines Strohhutes zuschauen, was wohl ausser unserer Führerin kaum jemand mehr beherrscht. Das 19. und 20. Jh. hat uns eingeholt mit der Industrialisierung und dem Niedergang dieses so anspruchsvollen Handwerks. Stroharbeiten werden unmodern, die Synthetik beginnt ihren Siegeszug.
Im Namen aller sage ich ein herzliches MERCI Daniela, die uns an diesen speziellen Ort geführt hat!

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