Bericht:
Ursula Hürzeler

Fotos:
zur Verfügung gestellt

Spitex Bern: Unterstützung zu Corona-Zeiten

„Ältere Personen, die gesundheitlich angeschlagen sind, haben ein besonders hohes Risiko, schwer an Covid19 zu erkranken.“ Das war die Botschaft, die die Behörden im Frühling verbreiteten. Die Konsequenz daraus war: zuhause bleiben, möglichst wenige persönliche Kontakte und Hände waschen. Viele Alters- und Pflegeheime machten daraufhin für Aussenstehende dicht. Keine Option für die Spitex Bern, jener Organisation, die allein in Bern und Umgebung 1400 bis 1500 Patientinnen und Patienten zuhause unterstützt. Die 400 Mitarbeitenden verrichteten – auch in der schwierigen Zeit – zuverlässig ihren Dienst. Anja Stauffer, die Leiterin der Pflege, arbeitet bereits seit 12 Jahren in verschiedenen Funktionen, aber das neuartige Virus hat auch sie samt ihrem Team stark gefordert. Trotzdem war sie im Frühling, als ich das erste Mal mit ihr sprach, zuversichtlich: „Wir sind gut vorbereitet. Der Umgang mit Schutzmassnahmen gehört zu unserem Pflegealltag. Dies war auch bei der Schweinegrippe so und ist bei anderen ansteckenden Krankheiten der Fall. Wir sind ausgerüstet mit Masken, Hygieneartikeln, halten die Abstandsregeln ein. Jeden Tag orientieren wir über die neuen Massnahmen, und bei den kleinsten Symptomen wie zBsp. Husten lassen wir unsere MitarbeiterINNEN testen und schicken sie notfalls in Quarantäne“. Die Vorsichtsmassnahmen hatten sich gelohnt – niemand vom Personal war angesteckt, und nur einmal hatte Spitex Bern die Nachsorge zu machen bei einem vorher hospitalisierten Covid-Patienten.

Warten auf den „Peak“

„Wir sind bereit für den richtigen Anstieg“, versicherte mir Anja Stauffer im Frühling. Nur – der kam nicht. Gottseidank. Trotzdem veränderte sich die Arbeit der Pflegenden: „Manche der Kunden, aber auch der Angehörigen sind besonders ängstlich, sie befürchten, dass die Spitex das Virus ins Haus trägt und kündigen den Auftrag. Und gerade dementen Menschen kann man schwer erklären, dass sie jetzt nicht mehr wie gewohnt einkaufen oder ins Restaurant gehen können“. Ueberhaupt: die Psyche. Dem Personal falle auf, dass Aeltere mitunter ihren Lebensmut verlören, sich gehen liessen oder sich auch weigerten, bei schwereren Erkrankungen ins Spital zu gehen. So nach dem Motto „Wenn’s mich trifft, dann trifft’s mich eben“. Keine einfache Situation für die Pflegenden.

Inzwischen haben auch die Angestellten bei der Spitex Bern und viele ihrer KundINNEN gelernt, mit Covid19 zu leben. Die wärmere Jahreszeit hat dabei geholfen.
Im Oktober, als die vielbefürchtete 2. Welle die Schweiz doch noch und viel stärker als erwartet erreicht hat, als sich täglich Tausende neu ansteckten, habe ich die Leiterin der Pflege bei Spitex wieder gefragt, wie sie jetzt die Situation erlebe. Sie hat mir ihre Antworten schriftlich gegeben.

Wie ist Spitex durch die letzten Monate gekommen?

Anja Stauffer: „Die letzten Monate haben wir sehr gut überstanden, darüber sind wir sehr dankbar. Das Personal war gut vorbereitet und wurde regelmässig geschult und laufend über die neusten Vorgaben vom GSI oder BAG informiert. Wir hatten keine betriebsinternen Ansteckungen, vereinzelt mussten Mitarbeitende in Quarantäne auf Grund eines positiven Tests im privaten Umfeld. Privat hatten sich auch 3 Mitarbeitende angesteckt, aber dank unseres Schutzkonzeptes hatten diese Ansteckungen keine Auswirkungen auf unsere Kunden oder das übrige Personal. Wir sind sehr zufrieden mit den umgesetzten Massnahmen und wie sich unser Personal in dieser herausfordernden Zeit verhält und mithilft.“

Hat sich Ihre Kundschaft durch Covid19 verändert?

„Unsere Psychiatrie-Spitex verzeichnet ein starkes Wachstum, denn die Nachfrage nach psychiatrischen Leistungen hat in den letzten Monaten zugenommen. Allgemein sind unsere Kunden sehr aufmerksam und melden sich zügig bei einem Covidverdacht. Wir haben jedes Mal eine gute Lösung gefunden, unser Personal ist da sehr routiniert.“

Jetzt ist die 2. Welle da, und zwar heftig. Welche Konsequenzen hat das für Spitex?

„Wir haben die Schutzmassnahmen an unseren Standorten und für unsere Mitarbeitenden weiter verschärft. Deshalb ändert sich seit Beginn der Pandemie für die Kunden nichts. Wir haben diesen Monat einen Kundenbrief versandt und um erhöhte Flexibilität bei der Einsatzzeit gebeten. Wir müssen davon ausgehen, dass es bei vermehrten Erkältungssymptomen eher zu einem Personalengpass kommt und sich damit die gewohnten Einsatzzeiten bei unseren Kunden verändern könnten. Es ist uns wichtig zu betonen, dass uns die Gesundheit unserer Kunden und Mitarbeitenden sehr am Herzen liegen. Aus diesem Grund gilt für uns ein sehr hoher Standard für die Schutzmassnahmen.“

Soweit Anja Stauffer. Eine der Tausenden von Pflegefachleuten, für die viele Menschen im Frühling auf ihre Balkone gestanden sind und als Dank für deren Arbeit geklatscht haben. Wie lange scheint es her!

Weitere Artikel:

Das Centre Dürrenmatt Neuchâtel

Das Centre Dürrenmatt Neuchâtel

Text und Fotos: Daniel Megert

Begegnung mit einem Giganten der Schweizer Kunstgeschichte Ursula Torres liess sich von Züsi Widmer würdig vertreten, als wir 12 Panther uns ins Centre Dürrenmatt aufmachten.Gleich am Bahnhof in Neuenburg verpflegten wir uns im Chinois Mei Jing auf...

Graue Panther in der Auvergne

Graue Panther in der Auvergne

Text: Daniela Tognali Fotos: Margrit Berger

Mit viel Platz für die 22 Teilnehmer/innen und dem schon bekannten und beliebten Chauffeur Hansueli Fankhauser, geht die Reise am Morgen des 15. September in Bern los. Das Mittagessen ist beim berühmten französischen Koch Georges Blanc in Vonnas re...

Literaturlesung Walter Däpp

Literaturlesung Walter Däpp

Text und Fotos: Ursula Rausser

Am 13. September wurde bei den Grauen Panthern die erste von mehreren Herbst-/Winter-Lesungen abgehalten. Sie finden jeweils einmal pro Monat (Termine im Sprung und auf der Website) im Domicil Monbijou statt, in demselben Raum wie die «Ciné soirs». ...