Bericht: Trudi Kummer

Fotos: Ursula Rausser

Punkt, Komma, Strich: Ein Hoch auf die Vielfalt!

Nein, Pfusch ist das wahrlich nicht, was Heinz «Pfuschi» Pfister da im Rahmen der Serie «Humor trotz(t) Alter» live für uns am Beamer aufs Blatt bringt. Es sitzt! Vom ersten Strich an auf der Leinwand weckt es Vorstellungen: Ein Rahmen. Eine waagrechte Linie wird Horizont. Schneefeld? Wüste? Wiese? Meeresspiegel? Ein hügeliges Gebilde weit, weit hinten macht jetzt die Fläche vorne riesig und eine winzige Sonne hoch oben mit nur 5 Strahlen trägt das Ihre bei. Faszinierend ist bei Pfuschis Cartoons, wie ein Böglein, ein Zipfel, ein Zack und zwei Pünktlein sofort zu einem plastischen Gesicht werden, wenige Striche das Körperhafte des ganzen Menschen ergeben, und schon geht die muntere Greisin mit ihrem spriessenden Gehstock von dannen (siehe Bild!). Pfuschi sagt, er sei 1979 von der Logistik auf Kunst umgestiegen als freischaffender Kunstmaler, Radierer, Cartoonist. Schon seit über 20 Jahren zeichnet er an Tagungen live Cartoons zum Gehörten. Bemerkenswert finde ich, dass er viel zum Zusammenhalt von Cartoonisten beiträgt und gemeinsame Ausstellungen organisiert. Kürzlich hat eine «Komische-Kunst» – Ausstellung mit Max Spring und Oskar Weiss in Pfuschis Atelier-Galerie an der Spitalackerstrasse 74 stattgefunden. Er zeigt uns bei seinem Vortrag im «Träffer» gerafft den Werdegang der Sparte Cartoons auf: Höhlenzeichnungen, Ägyptisches, Römisches, Wilhelm Busch, Tim und Struppi, vieles mehr bis zu Pfuschi. Achtung, jetzt schreibt er am Beamer:«Endlich ein lesbarer Beipackzettel!» Ja wirklich, denke ich. Schon zeichnet er einen Patienten mit seinen Tabletten … und auf dem Beipackzettel ein grosses Grabkreuz. Wirklich lesbar! Später erzählt er kurz, dass seine schwerkranke Mutter nur noch bettlägerig war.

Zu ihrem Tod habe er ihr leeres Grab gezeichnet mit der Überschrift «Endlich konnte sie gehen». Die Liebe und die Erleichterung sind spürbar, wie er uns das sagt. Er kann aber auch etwas böser, wenn beispielsweise ein Gebiss in der Fonduegabel hängt, oder wenn ein Mann angesichts von Konservenbüchse und Dosenöffner am Telefon nach der Heimpflegerin fragt. Pfuschi geht mit der Zeit: Hoch am Sternenzelt sieht die Frau das Sternzeichen Jungfrau und er – hochaktuell – Milliarden von Gendersternchen. Auch der Mann auf dem Balkon mit Schnorchel und Taucherbrille ist aktuell, erklärt er doch der Nachbarin, er warte auf die zweite (oder nun schon wievielte) Welle…Es ist packend, Pfuschi bei seinem Bilder- und Pointenzaubern zuzuschauen, und jetzt gibt er uns Tipps, es ihm gleichzutun: «Dir müesst nume ganz viu Härdöpfle zeichne und de so… so… oder so der Usdruck ändere.» Und Strichmännlein, es sei egal, wo sie Beine und Arme hätten, die bewegen sich immer.

Es war eine sehr unterhaltsame Stunde, wir danken Pfuschi herzlich dafür. Und besonders sei Ursula Däppen und Ursula Rausser gedankt, sie haben die 6-teilige Vortragsreihe zum Stichwort Humor organisiert! Nach der Pause tritt die Kursleiterin und Präsidentin vom Collegium60+, Ursula Naef, vor uns etwa 25 Gesprächsbereite. Diesmal fragt sie nach Grenzen von Comics, dürfen sie beispielsweise Religion aufs Korn nehmen? Pfuschi sagt, er würde niemals Witze über Menschen mit Beeinträchtigung machen, das dürften höchstens Betroffene. Wir gehen den Cartoons nach, die von KursteilnehmerINNEN als fragwürdig mitgebracht worden sind, und setzen Markierungen. Darf Satire alles? Lustig oder nicht? Spätestens jetzt wird klar: Klare Grenzen gibt es nicht, vieles ist eine Ermessensfrage von dir oder mir. Vielen Dank, Ursula Naef, für die Begleitung unserer Gedankengänge!

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