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Ursula Hürzeler

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Ursula Hürzeler

Ohne Vertrauen gibt’s keine Kompromisse

Im Herbst sind wieder Nationalratswahlen, und Tausende werden sich um die 200 Sitze im Bundeshaus bewerben. Dabei ist das Politisieren dort oft mit viel Frust verbunden. Aber eben nicht nur. Davon erzählte die Basler SP-Nationalrätin Silvia Schenker bei ihrem Besuch im Rahmen unserer Vortragsreihe über die Uebergänge im Alter. Moderiert wurde das Gespräch von Bertino Somaini.

Den schönsten Moment in ihrer Karriere? Silvia Schenker lacht: „Das war, als ich gewählt wurde“. Sie habe das nicht erwartet, sagt sie, und obwohl das Erlebnis schon bald 16 Jahre zurückliegt, erinnert sie sich genau an das Glücksgefühl, an den Stolz. Jetzt, da sie in wenigen Monaten zurücktritt, ist sie vor allem dankbar, dass sie die Möglichkeit hatte, sich in Bern für soziale Anliegen einzusetzen. Mit grossen Erfolgen kann die Sozialarbeiterin nicht auftrumpfen, aber einige Verbesserungen für Benachteiligte hat sie durchgesetzt. Bei der IV-Revision zum Beispiel oder jetzt, als die Mietzuschüsse bei den Ergänzungsleistungen erhöht wurden. Endlich! findet Silvia Schenker. Sie habe in Bern gelernt, trotz Rückschlägen hartnäckig zu bleiben. Und Brücken zu bauen. „Wer etwas erreichen will, muss Mehrheiten finden,“ sagt sie, „und für Kompromisse muss man einen Schritt auf andere zugehen, Vertrauen schaffen“. Da hilft es, wenn man den Bundesbetrieb kennt und von den Kollegen als verlässlich und kompetent eingeschätzt wird. Doch manchmal nützt auch ein breitabgestützter Kompromiss nichts. Das Volksnein zur letzten Rentenreform sei ihr grösster Frust gewesen, sagt die SP-Nationalrätin. Jede Gruppe habe nur nach dem Haar in der Suppe gesucht, statt den Fortschritt im Ganzen zu sehen. Wie sie so vor dem zahlreichen Publikum im Egghölzli steht, spürt man, dass sie sich immer noch über soviel Egoismus ärgert. Jetzt hofft sie darauf, dass wenigstens die Vorlage über die kombinierte Unternehmenssteuer-AHV im Mai durchkommt. Die Verknüpfung der beiden Themen sei ihr zwar nicht geheuer, aber so gäbe es zumindest mehr Geld für die AHV.

Haben die Alten bei Abstimmungen zuviel Macht? Wieso tut der Bund so wenig für die Gesundheitsprävention? Und müssten wir nicht endlich offen über die Zweiklassenmedizin reden?
Die Panther haben viele Fragen. Manchmal habe auch sie als Politikerin keine abschliessenden Antworten, gesteht Silvia Schenker. Aber in einem Punkt ist sie sich ganz sicher: Die Jungen sollten sich häufiger politisch einmischen statt über den Einfluss der Alten zu klagen. Die Klimademonstrationen findet die Nationalrätin deshalb ermutigend.

Und jetzt? Mit etwas Wehmut sieht Silvia Schenker ihrem Abschied aus dem Bundeshaus entgegen. Aber Angst vor der Leere hat sie nicht. Für Betrieb werden allein schon ihre Enkelkinder sorgen.

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