Bericht:
Ursula Hürzeler
Trudi Kummer (Kultur)
Andreas Anliker (Säuli-Rennen)

Fotos:
Ursula Hürzeler
Jacky Breitenmose

Jubiläum 21 – 30 Jahre Panther und kein bisschen leise

Fast hatte ich befürchtet, die Jubiläumsfeste der Grauen Panther Bern stünden unter einem schlechten Stern: nachdem es vor fünf Jahren wie aus Kübeln gegossen hatte, versprachen die Prognosen auch diesmal eher nasskaltes Wetter. Und dann kam alles viel besser! Nein, es gab nicht gerade ein frühsommerliches Hoch, aber Temperaturen gerade eben so, dass es Spass machte, beim Römerhof in Bühl bei Aarberg an den Stehtischen gemütlich einen Apéro zu geniessen und bei blau eingefärbtem Himmel den Säuli beim Wettrennen zuzuschauen. Aber der Reihe nach. Alles lief wie am Schnürchen: Am 1. Juli trafen kurz nach 9 Uhr über 100 PantherINNEN auf der Schützenmatt in Bern ein, holten sich ihr Namensschild und bestiegen die drei Dysli-Cars. In munterer Stimmung ging die Fahrt zum obligatorischen Kaffeehalt, der für die einen im Restaurant Chlostermuur in Frienisberg, die andern im Restaurant Bären in Meikirch und die dritten schliesslich in Seedorf bei der Auti Chäsi stattfand. Überall war das Personal auf den Ansturm bestens vorbereitet, sodass wir pünktlich im Römerhof eintrafen. Unsere Gastgeber Alexander und Thomas Krebs hiessen uns herzlich willkommen, und alsbald stieg der Geräuschpegel im Hof beträchtlich an. Kein Wunder, hatten sich doch viele der PantherINNEN schon länger nicht mehr gesehen. Was gab’s da nicht alles zu erzählen, und dass auch ein kühles Glas Weisswein die Zunge lockert, ist uns ja bestens bekannt. Kurzum: die Präsidentin musste sich direkt anstrengen, um sich für ihr Grusswort Gehör zu verschaffen. Danach wechselte die bunte Schar in den grossen Saal, der festlich fürs Mittagessen gedeckt war. Der Römerhof ist berühmt für seine Black Angus-Rinder, und wie „chüschtig“ deren feines Fleisch schmeckt, davon konnten wir uns beim Hackbraten überzeugen. Wunderbar sei das Essen gewesen, wurde danach an den grossen runden Tischen gelobt; auch die Vegetarierinnen waren mit ihrem Menu zufrieden. Und schon ging’s weiter im Programm.

Husiererslüt us em Aemmitau
Wir sind satt von Essen und Plaudern. Da erscheint ein Hausiererpärchen, sie mit langem Rock, adrettem Hütchen und Deckelkorb, er in Aufmachung von Uli der Knecht und mit Hutte, vollbehangen mit Haushaltutensilien. Wir merken schnell, dass es zwischen ihnen Gehässigkeiten geben kann. Elise öffnet ihren leergeräumten Korb, er aber habe noch nichts verkauft. Schon will Gottfried sich ins Werbungsgespräch stürzen, da hebt sie die Röcke und zeigt ihre blutige Schürfung übers ganze Knie, und er habe nicht mal gemerkt, wie sie gestolpert sei. Ein Sprutz Schnaps, ein Wehgeschrei, dann rollen sie eine mausgraue Binde auf, und er umwickelt fürsorglich und stramm die Wunde. Nun geht es los, sie preisen den sich selbstleerenden Nachthafen, präsentieren Gloschli und Rüschenunterhosen, sehr gäbig mit offenem Schritt, er schnallt sich einen rosaroten Hügü um die Hüften, wo er seine Schützenausrüstung an Strumpfhaltern und Bändeln fixiert, so Knarre, Munition; extrem praktisch der Büstenhalter, als Lärmschutz um die Ohren gebunden. Schmunzeln und Grinsen im Publikum! Jedoch bringt jetzt Gottfried im Alleingang eine Serie Müschterli über die Dummheit von Mischthausi, Eggechrigu, Zinggefredu oder wie sie so heissen, häufig unterbrochen durch einen Schluck aus der Wäntele; wir ersehnen uns bald mal die vernünftige Elise zurück. Die beiden singen zum Akkordeon über ihren Alltag, das klingt wohltuend warm und harmonisch. Als sie noch Volkslieder anstimmen, singt der Saal mit und zum Buurebüebli-Zigeunerleben-Potpourri entsteht ein beschwingtes Lawinentänzlein. Dann zieht das schrullige Zweiergespann weiter…Liebes Komikerduo Melitta & Hanspeter Jaiser, vielen Dank für dieses humorvolle Stimmungsbild im historischen Rahmen – wobei: gmönschelet het’s chli wie hüttigstags!
Und auch uns PantherINNEN zog’s nach dieser Einlage weiter – ins Freie nämlich. Einige inspizierten den weitläufigen Hof, die meisten aber begutachteten die Ferkel, die alsbald zum Säulirennen starten würden. Es durfte gewettet werden! Wie lange haben die Tiere wohl für ihre Rennstrecke? Das Säulirennen – das Highlight des Nachmittags
Die Rennbahn liegt direkt vor dem Haus der Besitzerfamilie Krebs und ist 80 Meter lang. Am Start die übliche Nervosität: Fünf, ca. 3.5 Monate alte Säuli balgen sich um die besten Plätze. Das sechste musste auf die Ersatzbank, obwohl es auch gern gezeigt hätte, was es im dreiwöchigen Training gelernt hatte. Nach der Corona-Pause ist alles neu: endlich wieder auftreten vor Publikum! Der Start erfolgt ohne Zwischenfall, dann die Bewährung in der Kurve. Bleiben die Tiere abrupt stehen? Erschrecken sie ob den vielen farbigen Frauenkleidern oder den wenigen Männern? Aber nein: sie haben ihr Ziel fest vor Augen und schon ist das Rennen gelaufen. Der Lockstoff war das Ferkelfutter zur Belohnung nach getaner Arbeit. Wohlig suhlen sich die Säuli in der feuchten Erde. Das schnellste jagte übrigens nach 25 Sekunden über die Ziellinie – das kleine, struppige braune mit der Nummer 1 machte das Rennen. Der passende Name der Siegerin: Borsti.

Bei der Publikumswette gewann übrigens Ursula Rausser; sie hatte die richtige Zeit getippt. Und noch ein Nachtrag vom Säulitrainer: Drei Wochen nach unserem Besuch schaffte die Renntruppe die Strecke bereits in 11 Sekunden! Doping??? Besitzer Krebs winkt ab: nein, nein, die Säuli hätten einfach Spass am Wettbewerb.

Von der Seife bis zum Puppenkleid
Was wäre ein Geburtstag, und erst noch ein runder, ohne Geschenke? Einige der PantherINNEN waren schon länger um den Päcklitisch getigert, und als man endlich ein Geschenk auswählen durfte, waren sie natürlich im Vorteil. Aber auch so gab’s jede Menge Ahs und Ohs, als die mitgebrachten Überraschungen ausgepackt waren. Sichtlich aufgekratzt begutachtete man gegenseitig die ergatterten Preziosen, bevor sich die Hundertschar wieder auf die drei Cars verteilte und sich gutgelaunt von den Chauffeuren Heinz, Hans und Patrik Dysli sicher nach Bern kutschieren liess. Beim Abschied auf der Schützenmatt war man sich einig: schön war’s von A bis Z, super vorbereitet vom Organisationskomitee (Ursula Rausser, Ursula Däppen, Marianne Mantel, Andreas Anliker und Peter Simmen), sympathisch umgesetzt von den Gastgebern samt Personal im Römerhof, grosszügig unterstützt von den Sponsoren und wohlwollend begleitet vom Wettergott. MERCI vielmals allen!

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