Bericht:
Ursula Rausser

Fotos:
privat zur Verfügung gestellt

Impfzentrum Langnau: Ein Blick hinter die Kulissen

Seit dem 25. Januar bin ich vorerst bis Ende Juni vom Spital Emmental im Impfzentrum Langnau zu zirka 60 Prozent angestellt. „Nomau Chrankeschwöschter“, wie schön! Der Standort ist der grosse Saal des Kirchgemeindehauses, gegenüber dem Spital. Wir benötigen nebst der kompletten Einrichtung medizinisches Fachpersonal, Ärzte und administrative Hilfen. Wie ich selbst, haben sich die meisten für die Mitarbeit auf der offiziellen Seite des Kantons gemeldet. Und jetzt also zum „Alltag“: die Klienten kommen mit dem vorher erhaltenen Codeformular, ID, Krankenkassenausweis und, wenn vorhanden, mit dem Impfausweis zum Check-in. Schon vorher wurde die Temperatur gemessen, hat jemand über 38 Grad, darf nicht geimpft werden. Nach der erfolgreichen Registrierung und Kontrolle für den zweiten Termin, geht es kurz in den Wartebereich bis der Aufruf zum Impfen erfolgt. In Langnau erhält die geimpfte Person danach einen auf 15 Minuten eingestellten Wecker ausgehändigt, womit sie in den Check-out-Bereich zur Beobachtung geht. Sofern keine Komplikationen auftreten, darf sie danach nach Hause gehen.


Erst skeptisch, dann dankbar

Die Zuteilung der Anzahl Impfdosen und die Terminvergabe erfolgen durch den Kanton. Bei den bisher verabreichten ca. 200 Dosen (Stand Ende Januar) haben wir bisher zum Glück keine einzige Komplikation erlebt. Bleiben am Ende des Tages Impfdosen übrig, dürfen damit MitarbeiterInnen des Spitals und/oder des Impfzentrums geimpft werden, keine Dosis darf verloren gehen. Davon kann auch ich profitieren: am Ende der ersten Woche erhalte ich meine erste Impfung und nach 28 Tagen die zweite. Obwohl im Vorfeld zwar nicht ablehnend, aber durchaus kritisch eingestellt, nehme ich jetzt dieses Angebot gerne an. Die im Vorfeld gesammelten Informationen haben mich positiver gestimmt. Den Stich spüre ich nicht stärker als bei jeder anderen Impfung. Zwei Nächte ist das Liegen auf der Impfseite etwas schwierig, tagsüber spüre ich praktisch nichts.
Meine Arbeit ist äusserst abwechslungsreich: einen Tag lang bin ich im Check-in beschäftigt, ich überprüfe also alle Angaben im Internet, ergänze sie im Bedarfsfall und ziehe bei Fragen den Arzt bei. An anderen Tagen bereite ich die Spritzen vor oder impfe die Klienten. Dazwischen bin ich im Check-out eingeteilt, wo die geimpften Personen eine Viertelstunde zur Überwachung bleiben sollten.


Mit heikler Fracht unterwegs

Dann wieder bin ich im mobilen Team eingeteilt, welches einerseits immobile Menschen zu Hause impft und anderseits in die Altersheime zum Impfen geht. In der ersten Woche besuchen wir an einem Tag 12 impfwillige Personen zu Hause. Ein Auto wird zur Verfügung gestellt – fahren müssen wir natürlich selbst. Zum Impfen mobil verwenden wir momentan den Impfstoff von Pfizer/Biontec, der für den Transport etwas weniger anfällig ist als Moderna, den wir derzeit im Zentrum verwenden. Das Team besteht aus einem Arzt, einer administrativen Hilfe und einer medizinischen Fachperson. Ein Computer mit Internetverbindung muss mit ins Haus, um die Registrierung zu kontrollieren. Und natürlich sind die Impfung und das Verbrauchsmaterial inkl. Thermometer dabei. Es dürfen immer nur sechs im Zentrum vorbereitete Spritzen (eine Ampulle) für einen halben Tag mitgenommen werden. Danach müssen wir zurück ins Zentrum, um die nächste Dosis aufzuziehen, denn ein einmal zubereiteter Impfstoff ist nur während sechs Stunden 100% haltbar. Im Auto ist dafür eine Kühlbox zur Aufbewahrung vorhanden. Die Kühlbox ist mit Polster ausgelegt, um Erschütterungen der Spritzen möglichst zu verhindern, die dem Impfstoff schaden könnten. Vom Kanton erhalten wir elektronisch die Liste der impfwilligen Personen unseres Einzugsgebietes, hier dem Emmental. Das Team erstellt selbst den Anfahrtsplan, bestimmt die Route und macht die telefonische Voranmeldung. Das ist eine sehr zeitaufwendige Aufgabe. Ein grosser Vorteil ist, dass unser dafür zuständiger Arzt ein guter Kenner des Emmentals ist. So ein Tag ist recht anstrengend: Wir haben zwar eine kurze Mittagspause, aber das Angebot einer Kaffeepause können wir aus zeitlichen Gründen jeweils nicht wahrnehmen. Trotzdem bleiben wir bis eine Viertelstunde nach der Impfung im Haus, um zu kontrollieren, ob die Impfung gut verträglich ist.


Hoffen auf ein „normaleres“ Leben

Am Abend muss mit der Spitalapothekerin jede verabreichte Dosis genau abgerechnet werden. Mit wie vielen Dosen sind wir am Morgen gestartet und stimmt der restliche Vorrat genau mit den verwendeten überein?
Mein bisheriger Eindruck ist durchwegs positiv. Vor allem elektronische „Kinderkrankheiten“ stehen anfangs im Vordergrund. Die Menschen jedoch sind sehr dankbar, dass nun eine Impfung möglich ist und ein etwas normaleres Leben wieder in Reichweite rückt. Bei der Bekämpfung dieser schlimmen Pandemie als ganz kleines Rädchen mit dabei sein zu dürfen, ist ein schönes Gefühl. Und hoffentlich können auch wir Grauen PantherInnen schon bald wieder mit mehr Freiheit davon profitieren.
Die Hoffnung auf einen Sommer in neuer Freiheit ist gross. Was werden wir wohl in ein paar Jahren über diese Pandemie denken? Und: werden wir überhaupt noch daran denken?

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