Bericht:
Trudi Kummer

Fotos:
Margrit Berger

Graupel, Schnee und ein Rosé auf der Bettmeralp

Im Zug sagt uns unser Leiter-Paar, Ruedi heute vorne und Sylvia hinten, dass sich 4 wegen misslichen Umständen abgemeldet haben. „Da waren’s nur noch 5…“ So viele dürfen wir sein, brauchen uns nicht aufzuteilen. In Mörel müssen wir nicht anstehen für die Gondel, die Halle ist leer. Oben muss es nicht – wie vorgesehen – ein Restaurant sein. Wir erfreuen uns vor dem Lebensmittelladen an feinem Becher-Kaffee und Brötchen. Dann fragen wir einen Herrn für einen Schnappschuss und stellen uns auf, vermummt mit Kappe, Kapuze, Brille, Maske. Man könnte finden, das Wetter sei auch misslich, es ist verhangen und schneierlet endlos vor sich hin, von Sicht keine Spur. Darum verläuft unsere Tour nicht über Moosfluh-Riederfurka, sondern es gibt eine flachere Runde über Golmenegg – Goppisberg – Bettmeralp.

Wir sind gutgelaunt, packen unsere Stöcke und ziehen los. Die Iseli brauchen wir nicht, die gepflügten Wege haben weichen Schnee. Mit Plaudern und Schweigen geht’s durch die weisse Welt. Die Dächer im Dorf haben dicke Kissen, jeder Pfosten eine Kappe, und das Bächlein wird durch die gerundeten Polster zu einer engen Kluft. Wir fragen Sylvia zum Scherz, ob sie uns noch alle habe. Ich raune Ruedi zu, wir müssten dann irgendwie dazukommen, ihr für ihren allerersten Tag im Amt zuzuprosten. Er geheimnisvoll: „Das machen wir garantiert.“  Als ich an einem abschüssigen Wegstück herumträppele, sagt sie mir: „Der Ruedi seit aube, fescht mit de Färse abtrappe!“ Sie rammt ihre Absätze in den Schnee und so gibt es laufend Treppentritte. Ja stimmt, erinnere ich mich, dann sagt er jeweils noch: „Nid fürelige, Fiddle hindenuse!“ Die Ortskundigen zeigen auf eine kleine weisse Ebene mit Häuschen und dann das gleiche im Handy in Blau und Grün mit Sonnenschein, es ist der Bettmersee. Solche So-wär’s-eigentlich-Fotos haben sie mehrere. Um die Mittagszeit kommen wir zur Gondelstation Bettmeralp, – dort unters grosse Vordach – und packen das Picknick aus. Woher stammen jetzt die Becherchen auf der Mauer? Schon schenkt uns Ruedi Rosé ein, naturgekühlt, und wir wünschen Sylvia Glück als Wanderleiterin; Arnold prostet mit Ingwertee – ein vernünftiger Wanderleiter! Der ewige stille Schneefall nimmt jetzt ein prasselndes Geräusch an, es „rislet“ und Margrit entfährt das seltene Wort „Graupelschauer“. Noch die klammen Finger auftauen am Brünnli im WC, dann geht’s weiter. Immer, wenn ein Fahrplanziel ins Spiel kommt, hat die Herde Stalldrang. So gehen wir auch jetzt aufwärts etwas schneller voran, und wenn eine alte Frau leichtsinnig Rosé genossen hat, kommt sie noch leichter ins Keuchen. Die Lieben drosseln ihr Tempo, passen es mir an, gehen sachte, doch unerbittlich vorwärts. Wir kommen genau richtig bei der Gondel an und auch der Zug passt prima. Ab Brig haben wir viel Platz. Da es uns heute buchstäblich auf die Kappe geschneit hat, verstauen wir sie und andere etwas feuchte Teile im Rucksack, sind froh um die Wärme im Zug und im Gemüt.

Es war wieder schön heute. Liebe Sylvia, lieber Ruedi und liebe Kamerädli, danke vielmal für alles! Und liebe Leserschaft: Nie auf einer Wanderung nach Rosé aus dem Rucksack fragen, der war EIN-MALIG!

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