Bericht:
Bärbel Spinner-Precht

Ein Nachmittag im Haus der Religionen

Es ist November und der graue Europaplatz heisst uns mit Sonnenschein willkommen. Das Äussere des Hauses der Religionen verrät noch nichts vom Innenleben, wenn man vom indisch anmutenden bunten Gebilde absieht, welches das Grau der Fassade unterbricht. Man betritt das Haus und wird von einem dezenten Geruch empfangen, der aus dem Restaurant mit der ayurvedischen Küche kommt. Viel Holz, wenig Farben, eine wohltuende Atmosphäre.

Der Rundgang beginnt im Versammlungsraum der Aleviten, im Dergâh. Der Raum ist sparsam möbliert. Er erinnert ein wenig an eine Cafeteria. Der einzige Schmuck ist ein grosses, recht buntes Bild, auf dem tanzende Menschen und Musikinstrumente zu sehen sind. Da die Aleviten in diesem Raum ihre Kulthandlungen, den Cem abhalten, bekommt das Bild auch seine Bedeutung, denn Musik und Tanz gehören zu einer Cem-Veranstaltung, sie dienen zur geistigen Annäherung an Allah.
Der Raum hat an einer Seite eine grosse Tür, die sogenannte Dialogtür, die nur von innen zu öffnen ist. Je nach Bedarf kann sie geöffnet oder geschlossen sein.
Der nächste Raum, den wir besuchen, ist der christlichen Kirche zugeordnet. Er wird von verschiedenen christlichen Religionen genutzt. Sein einziger Schmuck sind grosse Ikonen, die farbenprächtig ihre Herkunft aus Äthiopien verraten und in deren Blickrichtung die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde ihre Versammlungen abhält. In einer Ecke hängt ein weisser Stern, der darauf hinweist, dass hier die Herrnhuter ihren Gottesdienst feiern.
Nach diesen zwei Räumen mit ihrer wohltuenden Schlichtheit kommt der Kontrast im üppig ausgestatteten Hindutempel. Unzählige Götter, bunt bemalt, zieren die Schreine.
Die Altäre aller Hauptkonfessionen des Hinduismus schmücken das Heiligtum.
Man darf diesen Raum nicht mit Schuhen betreten und in ihm kein Fleisch und keinen Fisch essen. Ein eindrücklicher Vortrag über Speise- und Essgewohnheiten erklärt diesen am Eingang angebrachten Hinweis.
Die nächste Religion ist der Islam. Leider befinden sich in der Moschee betende Moslems, so dass es unangebracht wäre, zu stören. Wir verzichten auf eine Besichtigung und lassen uns ausserhalb der Moschee Details zur Bauweise erläutern.
Als letztes sehen wir den Kultraum der Buddhisten, ein Raum, in dem ein goldener Buddha wacht. Da in dieser Religion viel meditiert wird, ist der Boden mit Kissen ausgelegt. Ein Mönch aus Sri Lanka stellt in grossen Zügen das Wesentliche seiner Religion vor.
Drei Religionen, die sich auch der Gemeinschaft zugehörig fühlen, aber keinen eigenen Raum haben, sind mit einem Schaukasten vertreten. Das sind Juden, Bahai’i und die Sikhs.

Den Abschluss des Rundgangs bildet das Restaurant, wo leckerer Kuchen den Hunger stillt und die Gedanken beim Austausch des Gesehenen und Gehörten beflügelt.
Es war ein interessanter und vergnüglicher Nachmittag in einer einzigartigen Einrichtung, die den Dialog der Kulturen fördert und bemüht ist, diese Botschaft weiter zu geben. Ein grosses Dankeschön an Ina-Brigitte für das Erlebnis ‚Haus der Religionen’.

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