17. Oktober 2017

Bericht: Susanne Sommer

Fotos: Yolande Burnod

Ein Kleinod im Emmental – Die Schaukarderei Huttwil

Der traumhafte Herbsttag, an welchem wir am 17. Oktober 2017 per Bahn und Postauto nach Huttwil/Schwarzenbach reisten, hätte nicht schöner sein können! Nach einem kurzen Spaziergang durch eine idyllische Landschaft erreichten wir die Spycher-Handwerk Schaukarderei Huttwil. Frau Grädel – deren Vater vor 37 Jahren nach der Hofübernahme den heutigen Betrieb gründete – begleitete uns mit vielen spannenden Erläuterungen durch jeden Bereich der Schaukarderei. Führend ist die Familie Grädel zusammen 8 Mitarbeitern und 4 Lernenden. Da 10 Hektaren Land nicht ausreichten, um die Existenz als Viehbauer zu gewährleisten, spezialisierte sich der Betrieb auf die Produktion und Verarbeitung von Schafwolle. Da in den Jahren ab 1970-80 ein (Woll-!) Spinnboom herrschte, war dies die richtige Entscheidung.

Auf dem Hof gibt es eine Wollwäscherei, wo in einer nostalgisch anmutenden Waschküche Wolle in kleinen Mengen von Hand* gewaschen wird: zuerst kalt, dann 60 Grad heiss. Die Wolle darf nicht gerieben werden, da sie sonst verfilzt. *Der Rest wird in einer Grosswäscherei in Belgien gewaschen.

Anschliessend wird die Wolle im Heizungsraum auf Gittern ausgelegt und an der feuchtigkeitsarmen Luft getrocknet. Der nächste Schritt ist das Kardieren (Kämmen) der Wolle. Die Kardmaschine (Krempel) zupft die Wolle in kleine Flocken, welche dann durch verschiedene mit Kämmen ausgestattete Rollen transportiert und von Strohrückständen gereinigt werden. Die Wolle verlässt die Krempel in weiche Florlagen gepresst. Daraus werden zum grössten Teil Duvets, Kissen und Bettauflagen gefertigt. Die Duvet-Näherei befindet sich in Biel. Die Wolle von geringerer Qualität wird als Isolation verwendet (z. B. bei Gebäuden). Wolle hat den Vorteil, viel Feuchtigkeit zu speichern und diese auch wieder abzugeben, so kann Schimmelbefall verhindert werden.

Im Laufe der Zeit kamen auf dem Betrieb weitere Wolltiere dazu:
Mohair- und Kaschmirziegen, Lamas, Alpakas und Kamele. Letztere werden nicht geschoren, ihre Haare lösen sich von selbst und werden zu Kamelhaarduvets verarbeitet. Merinowolle wird meist aus Neuseeland importiert.

Die Schafschur findet im Oktober statt und wird von einem Profi ausgeführt. Je nach Rasse werden die Tiere im Frühjahr und/oder im Herbst geschoren. Die Herbstwolle ist sauberer, da die Tiere während des Sommers draussen sind.

Auf dem Hof gibt es weitere Tiere zu bewundern: Pfauen, Hühner, Zwerggeissen, Esel und Wollschweine. 2006 wurde der Pro Spezie Rara-Arche-Hof Huttwil gegründet.

Dass Familie Grädel auch Übernachtungen in Mongolischen Jurten anbietet, so wie Kurse und andere Veranstaltungen, kann dem umfangreichen Prospekt entnommen werden.

Nach einem sehr üppigen Zvieri im eigenen Bistro traten wir voller bunter Eindrücke die Heimreise an. Herzlichen Dank an Ina-Brigitte für die gute Organisation und Yolande für die zahlreichen Foto-Eindrücke.

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