Bericht:
Trudi Kummer

Die Schweiz als weisser Wörterteppich

Ein schöner Lochstein – ein sogenannter Hühnergott – ist der Türklopfer. Eingelassen in das 600-jährige Haus werden wir von einer jungen Frau, Sarah Durrer. Wir sind zu Besuch im Sprachpanorama im aargauischen Laufenburg. Eingangs schon trägt ein Stammbaumplakat der indo-europäischen Ursprachen 10 Hauptäste wie Keltisch, Romanisch Germanisch, Indisch, Griechisch und viele Verästelungen. An einer Leine hängen Schildchen, jedes in einer anderen Sprache, alle mit Bedeutung „Zucker“, einige verwandt, andere ganz anderslautend, je nachdem, zu welchem Ast sie gehören. Wir vernehmen, dass es weltweit etwa 6000 Sprachen gibt und jährlich 35 aussterben, hauptsächlich solche von indigenen Völkern. Isländisch aber habe sich seit Urzeiten kaum verändert dank der Lage Islands als Insel. Das mittelhochdeutsche Liebeslied auf einem Plakat löst entzücktes Rezitieren aus: Dû bist mîn, ich bin dîn, des solt dû gewiss sîn…. Dann gibt es Informationen zur Entwicklung und Vielfalt unserer Sprache. Die Schweiz ist am Boden als weisse Folie ausgebreitet, mit Dialektwörtern beschriftet. Wir erhalten Kreide und Schiefertafel. Küchenzwiebel – Kuss – Schluckauf – Kater, zu diesen Wörtern sollen wir Synonyme in Mundart notieren. Ein Suchen und Erinnern beginnt, allfällige Verwandte aus der ganzen Schweiz liefern uns in Abwesenheit Böle, Hitzgi, Räuel,…- Müntschi finden wir selber. Interessant ist auch das Thema Erkennen von Herkunft. Als Einführung hören wir von den Gileaditern aus vorchristlicher Zeit und deren Codewort „Schiboleth“, womit sie ihre Feinde erkennen und vernichten konnten, wenn diese es falsch aussprachen. Anhand von Beispielsätzen in Dialekt können wir auf einer geografischen Karte festlegen, woher jemand stammt.
Später überqueren wir die Rheinbrücke und damit die Schweizer Grenze. Laufenburg ist als Ganzes ein schmuckes historisches Städtchen. Im Restaurant Rebstock wird es nach „viel Sprache“ erst beim feinen Essen still. Dann fahren wir wieder durch eine Bilderbuchwelt von viel Grün, Weilern und sanften Hügelzügen heimzu. Wir danken Frau Durrer, Annemarie Wyss und Therese Scheidegger für diesen reichen schönen Tag.

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