Bericht:
Trudi Kummer

Fotos:
Yolande Burnod

Besuch in der Büchermühle Zollbrück

„Zieh dich warm an, die Mühle ist nicht geheizt“, diesen Rat schickte Ursula Rausser bei der Anmeldung voraus. Sie nahm dann am 4. Oktober auch fürsorglich noch ein paar Schals zum Ausleihen mit in die Büchermühle, wo uns Peter Imhof draussen auf dem Platz erwartete. Auch draussen standen bereits Theken mit unzähligen Romanen, und bereits im Eingang säumen raumhohe Büchergestelle den schmalen Weg. Herr Imhof, der Inhaber dieses Imperiums, erzählt uns aus der Geschichte der ehemaligen Mühle. Der andere Geschichtsstrang ist der von den Anfängen seines Antiquariats „Büecherwürmli“ und von den verschiedenen Zwischenstationen zum heutigen Bücher-, CD-, DVD- und Spiele- Secondhandgeschäft.

2013 konnte er die Mühle in Miete nehmen und in Sisyphusarbeit den Bücherbestand aus einer Industriehalle in die Neumühle umquartieren. Es galt nun, laufend das Mühlengebäude in Bücherräume umzuwandeln. Viele Gestelle und auch etwa Tische bekam er mit den gebrauchten Büchern mitgeliefert. Kurzweilig schöpft Peter Imhof beim Erzählen aus dem Vollen. Bald steigen wir in den 3. Stock hinauf zu den Sachbüchern, beispielsweise zu Kochen, Medizin, Kunst, Fremdsprachen. Nach kurzer Zeit weiss ich schon, dass „warm anziehen“ in diesem Bücherbau im doppelten Sinne – auch als scherzhafte Warnung – nützlich ist: So viele Bücher, die mir gefallen könnten! Besonders erwähnenswert ist die gepflegte umfangreiche Sammlung Schweizer Literatur mit Gotthelf und auch Zoe Jenni.

Im 2. Stock lasse ich die klassischen Bücher, Sport, Religionen, Länder schon mal links liegen und steuere auf die Kinderabteilung zu, wo ich mir ein Pinocchio-Bilderbuch auswähle und eins mit Tiermärchen. So geradlinig geht das Hinsteuern nicht, es ist alles verwinkelt, manchmal mit einem Rolltischlein oder einem Stapel Bananenkisten verstellt, jedoch mit System eingeordnet. Eine von uns, die kürzlich in Florenz war, jubelt über ein Florenz-Heft mit wunderschönen Fotos. Eine andere hat eine schmucke Dostojewski-Ausgabe „Der Spieler“ gefunden und eine Dritte „Tintenherz“, ein Lieblingsbuch aus ihrer Jugendzeit. Wieder draussen liest uns Ursula beim Warten Witze vor. Es lagern nun in der Mühle Werke ihres verstorbenen Mannes Fernand Rausser; er war ja Fotograf und Inhaber des Wegwarte-Verlags.

Nach Auftauchen der letzten Kollegin aus dem Bücherlabyrinth gehen wir hinüber ins Restaurant Sternen. Dort erinnern wir uns amüsiert ans Party-Filet, in den Siebzigern lanciert von Betty Bossi und damals von uns regelmässig den Gästen vorgesetzt, jetzt uns als köstliches Mahl aufgetischt von freundlicher Bedienung. Es gäbe noch zu berichten vom Gobelin-Stuhl, den eine von uns erstanden hat in der Mühle, vom Schmökern in den Roman- und Krimikisten draussen. Obwohl wir erfreulicherweise das eine oder andere Buch heimtragen können – an der Zahl von mehr als einer Viertelmillion Büchern werden wir nicht gross rütteln. Vielen Dank, Herr Imhof, für Ihre grosse Gastfreundlichkeit und gute Wünsche für Ihre nie endende Arbeit in der Neumühle! Ursula, wir danken dir herzlich für dieses anregende Gesamterlebnis und auch für die sonnige Zugfahrt durchs Emmental, hast es prima getroffen!

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