Bericht: Carola Androwski

Fotos: Günter Kräuter, Richard Lindegger, Ursula Hürzeler, Hans Flück

Basel-Landschaft mit bunten Tigern

Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, ich würde an diese Wanderwoche mit einem Nostalgieseufzer zurückdenken, hätte ich milde gelächelt. Meinem Wesen nach bin ich ein Couch Potato, zwar ein quirliger, aber ein fauler.

Aber wie so oft kam alles anders. Während sich am Treffpunkt im Bahnhof die Teilnehmenden noch etwas müde und mit glasigen Augen um unsere beiden Anführerinnen Yolanda und Yolande scharten – Jean-Jacques, Initiator dieser Reise und BL-Kenner, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen – kam bei der Zugfahrt nach Basel Stimmung auf. Bei unserer Ankunft in Arlesheim lachten und erzählten schon alle durcheinander – die sich schon kannten, die sich noch nicht kannten, diejenigen mit Basler Vergangenheit und – zu meiner Wonne – diejenigen mit österreichischer Vergangenheit. Koffer ins Hotel und ab ging’s zur ersten Wanderung durch Arlesheim, zur Ermitage, ihrem wunderschönen Weiher mit den dicken, fetten Karpfen, Schloss Birseck und wieder zurück zum Dom – wo man uns doch tatsächlich den ersehnten Apero verweigerte, da sie «Zimmerstunde» hätten. Nicht nur ein Gasthaus… Die Kommentare der Gruppe hierzu verschweigt des Schreibers Höflichkeit. Unser schönes Hotel Ermitage versöhnte uns darauf ganz un-einsiedlerhaft mit einem köstlichen Willkommens-Apéro auf seiner Terrasse und machte uns mit unserem Dauerbegleiter für die Woche bekannt: einem Pinot Noir aus der Gegend von 2018, zu dessen Dezimierung wir alle fleissig beitrugen. Nach dem sehr guten Essen und der «Marschausrichtung» für den morgigen Tag durch die beiden Yolanden zog sich die eine Gruppe zum Spielen und eine kleine zur Erforschung der einheimischen Önologie auf die Terrasse zurück. Ein Studienzweig, der mir schon immer sehr am Herzen lag. Die richtige Wander-Arbeit begann dann am zweiten Tag. Die Zweistern-Gruppe tigerte ins Ferne Ausland nach Bad Säckingen und seinem ganz reizenden Bergsee. Na ja – Arbeit ist vielleicht ein wenig übertrieben. Bis zum Bergsee mochte die Wanderung ja noch als anstrengend gelten, aber dort angekommen, hatten uns sowohl der Weg um den See wie die zauberhaft daran gelegene Beiz so in ihren Bann geschlagen, dass man allgemein beschloss, das Picknick unter und nicht auf den Röthekopf zu verlegen. Schliesslich diente er uns als bewaldete Kulisse und wir waren uns einig, dass auch Jean-Jacques gegen diese Planänderung nichts einzuwenden gehabt hätte. Der Heimweg über das Wildgehege wurde von unzähligen Fotos – vor allem von einem elegant-grazilen schwarzen Junghirsch – und spannenden Unterweisungen über Pilze, ihre Essbar- und Tödlichkeit seitens Richard begleitet. Der Apero der heiteren Panther vor dem Hiddigeigei-Haus in Bad Säckingen förderte dann noch ein besonders beliebtes Exemplar der Pilzkunde zutage: den Henkelröhrling (vulgo: grosses Bier im Henkelkrug), während sich Nostalgiker wie ich am Weissherbst ergötzten. Samstag hatten wir die Qual der Wahl: Die Einstern-Gruppe * trabte schwelgerisch durch die Parkanlagen der ehemaligen Gartenausstellung Grün 80, während die Zweistern-Gruppe auf dem Gempenturm die wundervolle Aussicht auf das Birstal und Richtung Basel/Schwarzwald genoss. Ich entschloss mich für die sportlichere Variante und habe es nicht bereut – auch wenn ich mich vor dem Aufstieg auf den Turm gedrückt habe. Über das Restaurant Schönmatt, wo unsere Menüs, dank der unermüdlichen Vorarbeit von Yolande, bereits auf ihre hungrigen Abnehmer warteten, ging es dann sanft bergab über die Ermitage zurück nach Arlesheim. Der landschaftlich sehr reizvolle Weg bot den Panthern einmal mehr Gelegenheit, sich kennen zu lernen, zu erzählen, zu lachen und sich insgesamt sehr «un-grau» zu benehmen – was uns denn auch vom Seniorchef des Hotels einen neuen Namen eintrug: «Bunte Tiger». Die Weinprobe im Weingut Redinger, Heim unseres Lieblingsweins, hatte damit nichts zu tun. Auch nicht mit dem Clou des Spieleabends, als Annarosa beim Qwirkl auf immer mehr Steinen sitzen blieb und schliesslich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es doch reichlich Gelegenheit zum Ablegen gäbe. «Ja, ich seh’s einfach nicht ohne Brille», rief die Arme verzweifelt. «Wo ist sie denn, deine Brille?» fragten ihre Mitspieler voll Mitleid. «Hier in meiner Tasche», sprach’s und zog die Brille aus der Handtasche hervor. Ich bin mir bewusst, dass man Situationskomik eigentlich nicht schildern kann. Es genügt, wenn ich berichte, dass der Tisch sich lange nicht von diesem Lachanfall erholte. Und noch so ein Spiel-Highlight war Ruth, die als eine der ältesten Teilnehmerinnen so gut wie jedes Spiel gewann. Vornehm und still. Detektivin hätte sie werden sollen! Sie sah einfach die Kombinationen, die uns normalen Sterblichen vorenthalten blieben.

Bemerkenswert war auch unser junger Hotelchef. In Shanghai hatte er sein Hotelpraktikum gemacht und dort auch seine Frau kennengelernt. Mit seinem Charme und seiner Kenntnis sowohl von Wein wie vom Zubereiten fernöstlicher Speisen hat er unseren Aufenthalt immer wieder interessant gestaltet. Für den letzten Wandertag wollte Jean-Jacques wohl noch einmal alles aus uns herausholen. Wir fuhren unter Leitung von Yolanda mit dem Bus nach Pfeffingen und wanderten von dort immer bergauf zur Eggfluh…auch wenn es einige Stimmen gab, die lieber auf die romantische Ruine Pfeffingen gewandert wären. Aber dafür hatten wir Wald im Überfluss – «rechts sind Bäume, links sind Bäume, und dazwischen Zwischenräume» (Kurt Tucholsky). Zumindest sahen wir «unsere» Ruine vom Picknickplatz auf der Eggfluh, von oben. Als die Gruppe schliesslich in Grellingen ankam, war DURST! der vorherrschende Gedanke, denn das Wetter meinte es auch an diesem Tag wieder besonders warm mit uns. Zusätzlich zu einem Abschieds-Apero, den wir leider wegen der Nachbarn nicht auf der Terrasse zu uns nehmen durften, zogen nach dem Abendessen die «üblichen Verdächtigen» der Terrassenabende und kühnen Sprüche noch zu einem Abschiedstrunk um die Häuser – da waren die bunten Tiger gar nicht mehr so bunt, sie waren wehmütig. Der Abreisetag schenkte uns noch ein «Schmankerl» besonderer Art: Das Goetheanum in Dornach wurde uns von einem perfekt Deutsch sprechenden Engländer erklärt, Mr. Templeton, dem wir gerne noch zwei weitere Stunden zugehört hätten. Aber das Programm hatte Anderes mit uns vor: Die Rückreise war eine kühne Herausforderung der Verbindungssicherheit der SBB: Nach siebenmaligem Umsteigen waren wir «schon» wieder in Bern angelangt. Was kann man zusammenfassend über fünf Tage sagen, in denen alles stimmte: Die Organisation, das Wetter, die Teilnehmenden, die Stimmung, die Landschaft, das Essen und (natürlich) der Wein – einfach alles? Tausend Dank euch beiden Yolanden, die ihr uns durch eure Vor-, Während- und vor allem Nachtarbeit diese Touren überhaupt ermöglicht habt, und das ohne euren basellandschaftlichen Experten Jean-Jacques! Und – ja, klar komme ich wieder mit auf Wander-, Schnee- und sonstige Wochen, die die bunten Tiger in die Wanderschuhe treiben!

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